Freundeskreis-Wetterau Verein für Suchtkrankenhilfe

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21.04.2009

Sucht

Während der Begriff "Sucht" mehr im Zusammenhang mit Krankheit steht, macht der Begriff
"Abhängigkeit" die psychische Seite der Suchtkrankheit deutlich. Sucht als anerkannte
Krankheit hat immer zwei Seiten: Die körperliche und die psychische Abhängigkeit.

Während die körperliche Abhängigkeit in der Regel durch einen körperlichen, oft durch
Medikamente gestützten Entzug relativ schnell abgebaut werden kann, stellt die psychische
Abhängigkeit meist das schwierigere und langwierigere Problem dar. Der abhängige Mensch
hat in seinem bisherigen Leben über längere Zeit unter dem Einfluss eines Suchtmittels
gestanden. Er hat seine Verantwortung gegenüber sich selbst und seiner Umwelt mehr oder
weniger an das Suchtmittel abgegeben.

Das Zusammenspiel von körperlicher und psychischer Abhängigkeit kann am besten am
Beispiel der Wirkung von Heroin dargestellt werden, da sich hier der Teufelskreis relativ
schnell vollzieht:

Heroin löst im Körper zunächst eine Entspannung aus, die als wohliges Glücksgefühl der Ruhe
und Zufriedenheit beschrieben wird. Dieser Zustand dämpft alle anderen, auch negativen
Gefühle wie Schmerzen, Hunger, Kälte, Verstimmungen usw.

Das führt dazu, dass Abhängige eher wieder zum Heroin greifen als zum Beispiel zum Arzt zu
gehen, zu essen oder gegen Verstimmungen anzugehen. Sie vernachlässigen so ihr
körperliches und psychisches Empfinden, bis sich ihre Realität fast ausschließlich nur noch um
die Droge dreht.

Da der Körper in zunehmendem Maß die Substanz "toleriert", benötigt er immer größere Mengen,
um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Dieser Druck ist so stark, dass Abhängige ihr Leben
letztlich nur noch an der Beschaffung des Stoffs ausrichten, deshalb auch beinahe
zwangsläufig in die so genannte "Beschaffungskriminalität" geraten und sich daher selbst und
ihre Umwelt meist belügen und betrügen.

Viele Eltern stellen dann bestürzt fest, dass sie ihr Kind nicht mehr wiedererkennen.



Was können Eltern tun, wenn ihr Kind stark gefährdet ist?

Bei Jugendlichen sollte man mit dem Suchtbegriff vorsichtig umgehen, da zwar die
körperliche Abhängigkeit eintreten kann, die psychische Abhängigkeit aufgrund des kürzeren
Lebensalters jedoch noch nicht verfestigt sein muss.


Die Ausstiegschancen stehen immer im Vordergrund. Wie kann der beschriebene
Teufelskreis durchbrochen werden? Dafür gibt es kein Patentrezept, denn letztlich muss die
Beantwortung dieser Frage an der Motivation ansetzen.

Der Jugendliche muss diesen Zustand verändern wollen, sei es auf Druck von außen, zum
Beispiel durch die Justiz, oder auch aufgrund von neuen Lebensumständen und Zielen.

Dazu müssen vier Voraussetzungen gegeben sein, die am Beispiel des Zigaretten-Rauchens
erläutert werden:

-Der oder die Abhängige muss sich eingestehen, abhängig zu sein, und alle Ausreden als
solche erkennen - zum Beispiel sich eingestehen, dass man das Rauchen nicht kontrollieren
kann;
-er oder sie muss konkrete und realisierbare Schritte erkennen können, die geeignet sind,
aus der Abhängigkeit herauszuführen - zum Beispiel in Erfahrung bringen, wo welche
Entzugsprogramme angeboten werden und welche am besten geeignet scheinen;
-er oder sie muss sich diesen Willen zur Veränderung zutrauen - zum Beispiel indem man
mit einem Freund eine Wette abschließt, dass man es schafft, oder sich andere Unterstützung
holt;
-er oder sie muss sich konkrete und kurzfristige Ziele setzen, wozu dieser Kraftaufwand gut
sein soll - zum Beispiel um Geld für einen lang gehegten Wunsch zu sparen, oder um nicht
mehr von unangenehmen Gerüchen umgeben zu sein usw.
Aus diesem Programm ergeben sich auch Hinweise zur Unterstützung, die Eltern geben
können:

-Überprüfen Sie selbstkritisch Ihren eigenen Umgang mit Suchtmitteln und schließen Sie sich
gegebenenfalls diesem Programm zusammen mit Ihrem Kind an!
-Überprüfen Sie Ihre Einstellungen und Gefühle Ihrem Kind gegenüber; zeigen Sie ihm Ihre
positiven Gefühle und zeigen Sie ihm, was Sie an ihm schätzen.
-Aber grenzen Sie sich gegenüber dem Drogenkonsum klar ab und stellen Sie Regeln im
Zusammenleben auf, auf deren Einhaltung Sie bestehen sollten.
-Es gibt keinen Grund für Schuldgefühle. Egal welche Fehler oder Versäumnisse Sie sich
vorwerfen, Ihr Kind hat sich allein für die Droge entschieden und kann sich nur allein dagegen
entscheiden.
-Gehen Sie die Probleme offen an, vertuschen Sie nichts.
-Geben Sie keine finanzielle Unterstützung, solange Sie nicht sicher sind, dass sie nicht dem
Drogenkonsum dient.
-Lassen Sie Ihr Leben nicht vom Drogenkonsum Ihres Kindes dominieren; führen Sie Ihr
eigenes Leben und tun Sie viel Gutes für sich selbst.
-Geben Sie Unterstützung für alles, was von den Drogen wegführt. Sie können viel für Ihr Kind
tun, aber ihm nicht alles abnehmen.
-Dazu ist es meistens notwendig, dass Sie sich, und gegebenenfalls die gesamte Familie,
Hilfe holen. Diese finden Sie in Beratungsstellen und Elterngruppen, die sich speziell mit
diesen Problemen auskennen.

Für den Ausstieg ist oft auch eine stationäre oder ambulante Therapie notwendig, die über die
psychosozialen Beratungsstellen oder auch Jugendämter eingeleitet werden.

Die Voraussetzungen dazu können Sie über das örtliche Beratungsnetz in Erfahrung bringen.


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