Freundeskreis-Wetterau Verein für Suchtkrankenhilfe

Selbsthilfe - der erste Weg zur Besserung


Selbsterkenntnis
Gesellschaftsfähig

Ich trinke weil.........

Sie kennen die Werbung?... Sie wissen wie es weitergeht....Gabi heute mit einem anderen ausgeht! Oder.... ich trinke weil mein Chef heute so eklig zu mir war, diese Sätze ließen sich beliebig fortführen.

Es liegt nahe, Verständnis dafür zu entwickeln, dass jemand tatsächlich einen Grund dafür hat, zu trinken. Es ist auch menschlich verständlich, in Stressituationen oder bei unangenehmen Nachrichten Alkohol zu trinken – das sogenannte Entspannungsmittel zu sich zu nehmen – andererseits wird auch bei freudigen Anlässen getrunken. Der Alkohol ist der Belohner. Die bereits gute Laune wird durch den Alkohol noch ein wenig aufgepeppt. „Bin ich gut gelaunt, trinke ich noch etwas und bin noch besser gelaunt.“

Alkohol und Suchtmittel zu sich zu nehmen, soll eine Situation, in der wir uns gerade befinden, verändern. Es besteht immer der Wunsch, wenn es gut ist, es noch besser zu haben. Wenn es schlecht ist, den schlechten Zustand mit geringem Aufwand zu beseitigen. Statt nach einer längeren Sitzung, in der sich langsam der Kopfschmerz durchsetzt, einen Spaziergang zu machen oder Entspannungstechniken zu erlernen( und auch anzuwenden), werden lieber ein – oder zwei Gläser Cognac getrunken, um so schnell die entspannende Wirkung zu erzielen.

Trinken ist gesetzlich anerkannt. Solange aus diesem Trinken keine Gewohnheit wird, ist das sicher auch nicht problematisch. Nach der Gewohnheit kann aber die Regelmäßigkeit kommen und nach ihr die Abhängigkeit.

Von interessierten Außenstehenden kommt häufig die Frage. “Wann ist man den alkoholabhängig? Kann ich abends noch mein Bier trinken ohne ein schlechtes Gewissen zu haben? Die Frage kann nur jeder für sich selbst beantworten. Das Schema bis hin zur Alkoholabhängigkeit kann jedoch folgendermaßen sein:

Genuss – Entspannung – Gewohnheit – Abhängigkeit, wobei bei der Entspannungsphase schon eine gewisse Gefahr bestehen kann, da man Alkohol ja leicht bekommen und eine schnelle Wirkung bei geringem Aufwand erzielt.

Schließlich kann man den Alkoholismus in fünf Grundformen einteilen, die einerseits für die Selbsteinschätzung gelten können oder für den Therapeuten Behandlungshinweise geben.

1.) Alpha – Alkoholismus
Der Alpha – Alkoholiker wird als seelisch besonders empfindsam beschrieben und fällt unter die Rubrik Problemtrinker. Er ist nicht süchtig und von ihm wir der Alkohol als beruhigendes Medikament angesehen. Häufiges und auch regelmäßiges Trinken sollen körperlich krankhafte Zustände lindern und es wird oft nicht gemerkt, dass es zu einer seelischen Abhängigkeit führt. Diese Abhängigkeit kann jahrzehntelang bestehen, aber es muss sich keine Sucht entwickeln. Häufig wird jedoch aus einem jahrzehntelangen Alphatrinker ein sogenannter Gamma – Trinker, der im folgenden noch beschrieben wird.

2.) Beta - AlkoholismusDer Beta – Alkoholiker ist ein Geselligkeitstrinker. Neben anderen Störungen treten häufig körperliche Schäden auf, z.B. Magenschleimhautentzündung, Fettleber, Leberzirrhose, Speiseröhrenkrebs, Bluthochdruck und anderes. Der Beta – Alkoholiker hat sich seiner trinkfreudigen Umgebung angepasst und merkt nicht mehr, wie schädlich diese Trinkgewohnheiten für ihn sind. Er trinkt weiter, wann immer er Gelegenheit hat, sei es beruflich oder privat. Auch der Beta – Alkoholiker hat noch nicht seine Kontrollfähigkeit über sein Trinken verloren. Bei ihm entwickeln sich noch keine Entzugserscheinungen, wie Unruhe, Angstzustände, Schwitzen, Durchfall oder Zittern.
Beta – Alkoholiker sind zwar keine Alkoholiker im wörtlichen Sinn, aber das viele Trinken ist ein Zeichen für eine tieferliegende Problematik.

3.) Gamma - Alkoholismus
Wahrscheinlich die meist verbreitetste Form des Alkoholismus. Hier liegt das Symptom vor, nicht mehr zu jeder Zeit und nicht in jeder Lage aufhören zu können. Der Gamma – Alkoholiker hat keine Kontrolle über sein Trinken. Das verstärkte Erleichterungstrinken, die Unfähigkeit, normale Belastungen durchzustehen und zu verarbeiten lässt ihn immer wieder trinken. G- Alkoholiker sind deutlich seelisch und körperlich abhängig und haben die typischen Erscheinungsbilder. Eine Heilung im Sinne, dass die Fähigkeit besteht, wieder mäßig zu trinken, besteht nach den heute vorliegenden Forschungsergebnissen nicht. Die Versuche, mäßiger zu trinken, auch nach Jahrzehnten alkoholfreier Lebensführung, enden früher oder später exzessiv oder im Delirium. (Prof.E.M.Jellinek)

4.) Delta - Alkoholismus
Der Delta – Alkoholiker wird im Volksmund oft auch als Spiegeltrinker bezeichnet. Das heißt nicht, dass er sich nächtens vor seinem häuslichen Spiegel postiert und dort die Flasche zu Hals führt, sondern dass er immer einen bestimmten Alkoholpegel oder „Spiegel“ braucht. Er hat Angst davor, diesen „Spiegel“ zu verlieren, da er sehr schnell schwere Entzugserscheinungen bekommt. D – Alkoholiker haben durch oft jahrzehntelangen Missbrauch durch hohen Alkoholkonsum ihren Körper schwer vergiftet.
Die erwähnten Organschäden beim D – Alkoholiker verstärken sich und es ergeben sich Charakterveränderungen, Verlust von geistigen Fähigkeiten bis hin zu Geistes – und Anfallkrankheiten. Auch der D – Alkoholiker kann nur mit Alkohol umgehen, wenn er keinen trinkt.

5.) Epsilon - Alkoholismus
Der Epsilon – Alkoholiker oder auch periodische Trinker, auch Vollmondtrinker genannt, kann oft über Tage und Wochen alkoholfrei leben. E – Trinker leben in der Regel beruflich ordentlich und unauffällig. Das periodische Trinken ist bei jedem verschieden und wird von Unruhezuständen und Verstimmungen begleitet. Sie gehen dann los, horten Unmengen Alkohol zu Hause und betrinken sich mehrere Tage und Nächte bis zur Erschöpfung. Nach drei bis fünf Tagen, wenn es der E – Trinker überlebt hat, hört er auf zu trinken und ist nach einiger Zeit äußerlich in einem relativ guten Zustand. E – Trinker sind ihrer Trinkphase nicht zu stoppen. Sie nehmen auch, wenn nichts anderes da ist, technische Produkte wie zum Beispiel Parfüm oder Rasierwasser zu sich. Die Behandlungsform bei E – Trinkern ist sehr differenziert und schwierig.

Zum Abschluss sei noch mal darauf hingewiesen. Die Grenze, an der Genuss aufhört und Sucht anfängt, lässt sich nicht genau bezeichnen. Mäßiger und regelmäßiger Alkoholgenuss muss nicht in jedem Fall gesundheitsgefährdend sein. Nachfolgend noch ein paar Faktoren, die als Selbsttest für Alkoholabhängigkeit gelten können.

Sie verspüren den starken Wunsch, Alkohol zu trinken

Sie sind nicht mehr in der Lage, den Alkoholkonsum vernünftig zu steuern

Sie benötigen immer mehr Alkohol, um die ursprüngliche Wirkung zu erreichen

Sie gehen nicht mehr Ihren Interessen nach oder wirken mit der Zeit ungepflegt

Sie trinken, obwohl der Arzt Ihnen gesagt hat, dass Ihre Gesundheit gefährdet ist.

Sie trinken während der Arbeitszeit und im Straßenverkehr.

Sie trinken weiter, obwohl Sie Probleme in der Familie oder am Arbeitsplatz haben.

Gesellschaftsfähig auch ohne Alkohol

Wein und Bier gehören heute auf jeden Tisch und nach dem Essen einen Verdauungsschnaps, der schnell über den Berg hilft: So wird es uns täglich in der Werbung gesagt.

Viele Jugendliche kennen die stimulierende Wirkung dieser Getränke und konsumieren deshalb zunehmend alkoholische Getränke.

Eine derartige Tendenz ist sehr bedenklich. Es gibt heute noch Länder, in denen der Genuß von Alkohol verboten ist. Doch die Menschen dort können trotzdem, oder gerade deshalb, Feste feiern und fröhlich sein.

Wie wollen Sie animieren, einen neuen Weg zu beschreiten, indem Sie ihre Feste mit Freunden ohne alkoholische Getränke ausrichten.

Man wird sich auch am nächsten Tag noch mit klarem Kopf an die schönen Stunden erinnern und muß sich nicht mehr sagen: "Nächstes Mal trinke ich nicht mehr so viel."

Sie brauchen Ihr Auto nach einer Einladung nicht mehr stehen zu lassen und können sogar ohne Bedenken einer Verkehrskontrolle entgegensehen. Am nächsten Morgen sind Sie vielleicht noch etwas müde; aber nicht "zerschlagen", daß Frühstück schmeckt und man ist wieder fit.

Nur wenn ich meine Schwächen akzeptiere,

kann ich meine Stärken für mich nutzen.

Gedanken zu Trinken:

wir tranken vor Glück und wurden unglücklich
wir tranken vor Freude und fühlten uns miserabel
wir tranken aus Geselligkeit und bekamen Streit
wir tranken aus Freundschaft und wurden Feinde
wir tranken, um schlafen zu können und wachten übernächtigt auf
wir tranken, um leichter sprechenzu können aber wir stammelten nur
wir tranken, um uns himmlischzu fühlen und hatten die Hölle
wir tranken, um zu vergessen aber die Gedanken holten uns ein
wir tranken, um frei zu werden und wurden abhängig
wir tranken, um Problemezu lösen aber sie wurden immer mehr
wir tranken, um mit demLeben fertig zu werden und luden den Tod ein
Bedenke: Nur Du allein kannst es schaffen
Aber Du schaffst es nicht allein

Weshalb ist die Selbsthilfegruppe so wichtig ?

Nirgendwo sonst als in der Selbsthilfegruppe bringt eine Gemeinschaft dem Abhängigen so viel Verständnis entgegen und bestärkt ihn in seiner Abstinenz. Mancher glaubt, er brauche kein Verständnis und keine Bestärkung, aber das heißt, daß er in Wirklichkeit ein wichtiges Bedürfnis der Menschen leugnet.

Es ist falsch zu glauben, die Selbsthilfegruppe sei nur für Hilfsbedürftige da, die im Leben nicht alleine zurechtkommen. Im Gegenteil: Die meisten Gruppen bestehen größtenteils aus lebensfrohen, aktiven Mitgliedern.

Nicht nur für Alkohol- und Medikamentenabhängige ist eine Selbsthilfegruppe wie der Freundeskreis von großer Bedeutung, sondern auch für die Angehörigen.

Anfangs steht dabei meistens der Gedanke im Vordergrund, Anregungen zu erhalten, wie man dem Partner, dem Sohn, der Tochter oder den Eltern besser helfen kann.

Aber dieses Ziel ändert sich mit der Zeit, wenn die angehörigen merken, daß sie selbst von der Gruppe profitieren. Erst dann, wenn der Angehörige in erster Linie für sich und nur in zweiter Linie für den abhängigen Partner teilnimmt, kann sie all ihre hilfreichen Kräfte entfalten

Der schwierigste Schritt für die Suchtkranken, aber auch für die Angehörigen, ist nach unserer Erfahrung der erste Besuch einer solchen Gruppe.

Der Gerettete Trinker

Wenn Du einem geretteten Trinker begegnest,
dann begegnest Du einem Helden.


Es lauert in ihm schlafend der Todfeind,
er bleibt behaftet mit seiner Schwäche
und setzt seinen Weg fort
durch die Welt der Trinkunsitten,
in einer Umgebung, die ihn nicht versteht.


In einer Gesellschaft, die sich berechtigt hält,
in jämmerlicher Weise auf ihn herabzuschauen,
als wäre er ein Mensch zweiter Klasse,
weil er es wagt,
gegen den Alkoholstrom zu schwimmmen.
Du sollst wissen :
Er ist ein Mensch erster Klasse!!


Friedrich von Bodelschwing